Von Dresden nach Hong Kong in 66 Tagen
1. bis 4. Tag
5. bis 9. Tag
10. bis 18. Tag
19. bis 27. Tag
26. bis 31. Tag
32. bis 36. Tag
37. bis 42. Tag
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Zurück in Ulan Bator berichtet uns Kellie, dass sie keine Reittour organisieren konnte. Wir freuen uns darüber, von fertigen Angeboten haben wir die Nase voll. Wir holen uns auf dem Markt am Stadtrand Leder-Reitstiefel der russischen Armee aus ostdeutscher Produktion. Eine ehemaliger DDR-Gastarbeiter handelt uns einen perfekten Preis aus - 40 Dollar für zwei Paar. Dazu holen wir noch ein paar Stricke, um Pferde festbinden zu können. Am Abend werden wir von anderen Reisenden in den Fernsehraum einer Pizzeria eingeladen - lecker Lasagne, dazu "The Big Lebowski".
Nächster Tag, Mittag, es geht los. Wir finden einen Fahrer, der uns in den Nationalpark Tereldsh fahren möchte. Nach fünf Kilometern stoppt er, neue Preisverhandlung. Endlose Diskussion am Ende landen wir irgendwie doch noch am Ziel. Uns läuft ein Bauer über den Weg, der uns am nächsten Morgen vier billige Pferde bringen möchte. Nach einer Nacht im Wald tauschen wir Geld gegen Pferde inklusive Ausrüstung.
Etwas skeptisch nur lässt uns der Bauer alleine in der Landschaft verschwinden. Diese ist atemberaubend schön. Buntgefärbte Bäume, weite Ebenen umrahmt von Bergen und in der Mitte ein reissender Fluss. Wir geniessen das Gefühl von Weite und Freiheit. Abends lassen wir die Pferde grasen und kochen über dem Lagerfeuer. Das Flusswasser ist trinkbar, aber zu kalt zum schwimmen. In einer Nacht friert es. Hier gibt es nur vereinzelt Menschen. Mit einem machen wir flüchtige Bekanntschaft, als er unser entlaufenes Pferd einfängt. Staunend betrachten wir die Jagd, die uns allzusehr an die Szenerie eines Cowboyfilms erinnert. Nach vier Tagen gehen unsere Vorräte zu Ende und wir kehren entspannt zurück.
Die Rückfahrt wird lustig. Wir fahren auf den Ladeflächen von zwei LKW quer durch die Landschaft und unterhalten uns mit Mongolen. Am Abend erreichen wir Ulan Bator. Den letzten Tag widmen wir noch einmal der Hauptstadt, dann verlassen wir das zauberhafte Land!
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43. bis 49. Tag
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Unser Zug zuckelt morgens in Ulan Bator los. Unsere Abteilgenossen sind aus Israel und Rußland. Gespräche verkürzen den Tag. Am nächsten Tag begrüßt uns China: Wir sind von seltsam buckeligen Bergen umgeben, über welche sich die große Mauer windet. Wenig später erreichen wir Peking.
Es ist gigantisch, es ist heiß, es ist zivilisiert. Wir gehen in eine Bank und stecken unsere EC-Karte in den Automaten - es funktioniert! Ein Franzose zeigt uns ein gutes Hotel mit fantastischen Preisen. Wir beschließen, eine Woche zu bleiben. Verbotene Stadt, Sommerpalast, Mauer, Himmelstempel kosten uns jeweils einen Tag. Die alten Bauten sind imposant. Störend ist allenfalls ihr lebloses dasein - als sinnentleerte Touristenattraktion. Was uns wirklich fasziniert ist das Leben dieser vielfältigen Stadt - riesige Wolkenkratzer neben alten gemütlichen Wohnvierteln, dazwischen immer ein Stand mit kulinarischen Köstlichkeiten.
Wir versuchen die Stadt mit dem Rad zu erkunden. Meterbreite Fahrradspuren werden durch Busse durcheinander gebracht, ab und zu tauchen auch überladene Lastrikschas auf. Ein heilloses Chaos - aber lustig. Auf dem Schwarzmarkt decken wir uns mit aktuellen CDs ein, das Stück ein Dollar. Wir bewundern natürlich auch das Ma(o)usoleum, wo gutmütige Chinesen Kunststoffblumen kaufen und ablegen, die kurz später weggeräumt und erneut verkauft werden.
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50. bis 52. Tag
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Für die verbleibenden Tage in China entscheiden wir uns für die touristischen Massenziele. Scheinbar denken viele so - Xian erreichen wir im überfüllten Sitzplatzwagen. Zum Teil legen wir unter die Bänke, um etwas Schlaf abzubekommen. Uns gegenüber sitzt Gengtao, ein Student. Er nimmt sich unserer an und zeigt uns seine "Kleinstadt" - 3 Millionen Einwohner! Er führt uns zu einem guten Hotel, er kauft Stadtpläne, zeigt uns Supermärkte, Internetcafes und Restaurants. Bezahlen will oftmals er. (Chinesischer Monatslohn: 30 Mark.)
Natürlich besuchen wir die 8000 Tonsoldaten - es wirkt schrecklich touristisch und schrecklich interessant. Auf dem Rückweg baden wir in den Becken eines Wassertempels. Die Pagoden von Xian geben uns einen herrlichen Überblick über die boomende Stadt. Smog ist die dunkle Seite des Erfolgs.
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53. bis 59. Tag
60. bis 66. Tag
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Wir verlassen die Volksrepublik China mit einem Schlafbus. Wie im Hühnerstall rasen wir durch die Dunkelheit nach Guangshou, von hier aus bringt uns ein Schnellboot ins kapitalistische China - nach Hong Kong.
Die Stadt verschlägt uns den Atem. Wolkenkratzer an Wolkenkratzer, dann der Hafen, dahinter alte verrottete Hochhäuser, wo Chinesen sowie Touristen hausen. So auch wir. Für fünf Quadratmeter ohne Fenster zahlen wir 50 Mark pro Nacht. Die Lebensmittelpreise sind ähnlich: Fünf Mark pro Liter Milch machen McDonalds zur einzigen Alternative. Doch die Stadt ist ihr Geld wert. Das Leben pulsiert, nirgends auf unserer Reise war Kommerz und Kultur so nahe. Peking und London verschmelzen hier.
Aber was zum perfekten Urlaub noch fehlt, ist der Strand. So brechen wir auf, fahren mit Bussen, Bahnen und Fähren, laufen eine Stunde durch die pralle Sonne und finden ihn: den Traumstrand! Keine Straße, keine Fähre, also keine Menschen - nur zwei Bars, Sand, Sonne sowie Meer! Wir relaxen und lassen zehn Wochen Revue passieren.
14.033 Kilometer saßen wir im Zug. Rußland, Mongolei, China und Hong Kong - unterschiedlicher hätten die Stationen nicht sein können. Jedes Land brachte uns auf irgendeine Weise zur Verzweiflung, jedes Land begeisterte uns durch individuelle Schönheit. In Rußland war es die Ballade vom Baikalsee, in der Mongolei das Reiten auf "unseren" Pferden, in China das Bild der endlosen Reisfelder.
Was bleibt ist die Fahrt zum Flughafen, der Flug, drei Stunden in London, noch ein Flug, zwei Stunden in Berlin und das Trampen nach Dresden. Irgendwann ist jeder Traum zu Ende.
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